Semmelweis Frauenklinik

Daten und Fakten

Geburten pro Jahr 2409
Dammschnitt (Episiotomierate) bei natürlichen Geburten 19%
Kaiserschnittrate 27%
Anteil geplante (primäre) Kaiserschnitte 40%
Anteil ungeplante (sekundäre) Kaiserschnitte 60%
Rückenmarksnarkose (Peridural-/Spinalanästhesierate) bei Kaiserschnitt 95.8%
(Jahr 2015)
Aus welchen fest angestellten Berufsgruppen besteht Ihr Team neben Ärztinnen und Ärzten, Pflegepersonal und Hebammen? verfügbar
Psychologinnen und Psychologen
Physiotherapeutinnen und Psychotherapeuten
Diätologinnen und Diätologen
Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter
Angebote für werdende Mütter
Angebot verfügbar kostenfrei
Schwangerschaftsgymnastik
Geburtsvorbereitungskurse
Psychologische / Psychosomatische Ambulanz bzw. Beratung
Akupunktur
Homöopathie
Einzelgespräch mit Hebammen
Wieviele Geburtszimmer gibt es?: 5
Wie sind diese standardmäßig ausgestattet? verfügbar
Gebärhocker
Geburtsrad
Pezzi-Ball
Sprossenwand
eigene Nasseinheit / WC
Anzahl der Gebärwannen:1
Betreuung ab Schwangerschaftswoche:34
Angebot verfügbar
Ist an Ihrer Abteilung eine hebammengeleitete Geburt möglich?
Ist an Ihrer Abteilung eine Wahlhebammengeburt möglich?
Ist rund um die Uhr ein/e NeonatologIn vor Ort?
Ist eine Peridural- bzw. Spinalanästhesie jederzeit möglich?
Angebote für Mütter und Neugeborene
Angebot verfügbar kostenfrei
Klinische Untersuchung des Neugeborenen
Hüftultraschall
Hörtest
Laserbehandlung bei wunden Brustwarzen
Sozialberatung
Stillberatung
Ernährungsberatung
Psychologische Betreuung bei postpartalen Problemen
Wochenbettgymnastik
Rückbildungsgymnastik
Stillgruppe
Babyturnen
Babymassage
Anzahl der Familienräume: 2
Anzahl der Wöchnerinnen Zimmer
Allgemeinklasse
Ein- oder Zwei-Bett-Zimmer 7
Drei- oder Vier-Bett-Zimmer 4
Fünf oder mehr Betten 0
Sonderklasse
Ein-Bett-Zimmer 4
Zwei-Bett-Zimmer 7
routinemäßige Entlassung nach einer Spontangeburt in Tagen3
routinemäßige Entlassung nach einem Kaiserschnitt in Tagen4

1. Beschreiben Sie bitte die geburtshilfliche Philosophie Ihrer Abteilung.

Geburt zu dem machen, was sie ist:

Das natürlichste, intimste und wahrscheinlich eines der schönsten Erlebnisse im Leben einer Frau und Familie –das ist es, was wir für Sie wollen und worum wir uns täglich bemühen.

Und über allem steht maximal mögliche Sicherheit für 2 – für Mutter und Kind.

Das ist unser Auftrag, unser Anliegen und unsere Freude !

Das Team der Semmelweis Frauenklinik mit seinen
Hebammen
ÄrztInnen und Ärzten
Pflege-Expertinnen und -Experten
Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten
Psychologinnen und Psychologen
……

2. Beschreiben Sie bitte möglichst aus Sicht der Frau, wie eine problemlose Geburt an Ihrer Abteilung abläuft.

Stellen Sie sich vor, es ist soweit: Sie spüren regelmäßige Wehenkontraktionen und blicken der Geburt freudig entgegen. Sie kommen damit gut zurecht, wünschen sich aber zunehmend Unterstützung und machen sich auf den Weg ins Krankenhaus. Dort angekommen begrüßt Sie eine Hebamme, bittet Sie ins Aufnahmezimmer und um ihren Mutter-Kind-Pass. Hier werden die Herztöne Ihres Kindes kontrolliert, der Geburtsfortschritt festgestellt und gemeinsam mit Ihnen und der zuständigen Ärztin oder dem zuständigen Arzt wird die Entscheidung über die stationäre Aufnahme gefällt. Steht die Geburt noch am Beginn, so wird Ihnen ein Zimmer auf unserer Präpartalstation zugewiesen; ist sie bereits gut im Gange, so führt man Sie in den Kreißsaal. Das geburtshilfliche Team, das Ihre Betreuung hier übernimmt, ist jetzt voll für Sie da und wird gemeinsam mit Ihnen an einem positiven Geburtserlebnis arbeiten. Auch Anästhesistinnen und Anästhesisten sowie Kinderärztinnen und Kinderärzte stehen bei uns rund um die Uhr vor Ort zur Verfügung.

Nach der wohlbehaltenen Ankunft Ihres Kindes legen wir großen Wert auf den Hautkontakt zwischen Mutter und Kind. Auch während der Nachgeburtsperiode, in der die Plazenta geboren wird, halten wir das Bonding aufrecht und bieten beste Unterstützung beim ersten Anlegen, wenn die Mutter stillen möchte. Wir bieten Ihnen eine Jause sowie eine Duschmöglichkeit an und verlegen Sie und Ihr Kind etwa zwei bis drei Stunden nach der Geburt in unsere freundlichen Wochenbettzimmer.

3. Wie ist der Umgang Ihrer Abteilung mit dem Thema Wunsch-Kaiserschnitt?

Die Semmelweis Frauenklinik ist DAS Traditionshaus der Geburtshilfe in Wien.

Die vom Team der Klinik getragene Philosophie sieht vor, die Geburt zu dem werden zu lassen was sie ist: das natürlichste, intimste und wohl eines der schönsten Erlebnisse im Leben einer Frau und Familie. Das oberste Gebot ist dabei immer die Sicherheit für Mutter und Kind.

Diese Sicherheit immer im Auge wollen wir unsere schwangeren Frauen zu einer natürlichen (vaginalen) Geburt motivieren, sofern es die medizinischen Gegebenheiten zulassen.
Oft sehen Frauen ängstlich der Geburt als „großes Unbekanntes“ entgegen. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, Sie im Vorfeld genau zu informieren und zu beraten, damit die Vorfreude auf das bevorstehende Ereignis in den Vordergrund rückt. Ängste werden abgebaut bzw. kommen so erst gar nicht auf. Dafür steht Ihnen unser Team aus Hebammen, Ärztinnen und Ärzten in der Schwangerenambulanz bzw. am Informationsnachmittag (jeden Donnerstag) zur Verfügung.

Nur selten möchten Frauen ohne einen medizinischen Grund mittels Kaiserschnitt entbinden (Wunsch-Kaiserschnitt). In den meisten Fällen kann der Ursache für diesen Wunsch mit informativen Gesprächen gut begegnet werden, sodass am Ende des Tages doch meistens die natürliche Geburt bevorzugt wird.

In jedem Fall gilt es die Vor- und Nachteile jeder Methode zu besprechen. Dies erfolgt standardisiert in einem ausführlichen Gespräch mit einer Hebamme UND einer Ärztin oder einem Arzt spätestens in der 37.Schwangerschaftswoche. Erst nach einer in jedem Fall wahrzunehmenden BEDENKZEIT nach den Gesprächen ist auch ein Kaiserschnitt auf Wunsch möglich. Diese Möglichkeit wird an unserer Abteilung allerdings schlussendlich nur sehr selten tatsächlich wahrgenommen.

Die Kombination eines Wunsch-Kaiserschnittes mit einer Sterilisationsoperation (Tubenligatur) wird in unserem Haus prinzipiell NICHT angeboten.

4. Wie ist die Einbindung der Begleitperson während des Geburtprozesses (auch bei Kaiserschnitt) organisiert?

Eine wichtige Rolle im Geburtsverlauf spielt die richtige Begleitperson – egal, ob das der Vater des Kindes, eine Schwester, Freundin oder Mutter ist.

In unserem Kreißsaal freuen wir uns daher über jede – aber bitte nur eine! – Begleitperson. Wir ersuchen Sie im Interesse der Gebärenden, diese Regel einzuhalten.
Da wir wissen, wie wichtig konzentrierte Wehenarbeit für einen guten Geburtsfortschritt ist, liegt uns eine ruhige, entspannte Atmosphäre im Gebärzimmer am Herzen. Dazu zählt für uns auch, dass die Begleitperson nach Möglichkeit für die gesamte Geburtsdauer dieselbe ist – Wechsel sind prinzipiell möglich, stören aber diese ruhige Atmosphäre und sollten daher so gering wie möglich gehalten und nur nach Absprache mit der betreuenden Hebamme durchgeführt werden.

Wir sind uns bewusst, dass eine anwesende Vertrauensperson den Geburtsvorgang in vielen Belangen erleichtern kann, und zeigen gerne Unterstützungsmöglichkeiten wie Massagen oder das Stützen in verschiedenen Positionen vor.

Auch bei Kaiserschnitten nehmen wir gerne auf die Begleitung Rücksicht: Bei geplanten Kaiserschnitten bleibt die Vertrauensperson bis ins OP-Vorzimmer bei der Patientin. Während die Frau dann im OP vorbereitet wird, zieht sich die Begleitperson um und wird dann rechtzeitig zur Entbindung in den OP-Raum geholt, um meist bis zum Ende der Operation bei Frau und Kind zu bleiben. Auch bei ungeplanten Kaiserschnitten versuchen wir uns an diese Vorgänge zu halten.

5. Inwieweit kann die Frau die Gebärposition auswählen?

Wir sind stets bemüht, den individuellen Bedürfnissen der werdenden Mütter so weit wie möglich entgegenzukommen. Dazu gehört auch die Wahl der für Mutter und Kind optimalen Gebärposition, die für jede Frau eine andere sein kann.
Um die Geburt so rasch wie möglich fortschreiten zu lassen, wird die Hebamme mit Ihnen gemeinsam verschiedene Positionen besprechen. Für uns ist wichtig, den Sicherheitsaspekt nicht zu vernachlässigen, also auch die Herztöne des Kindes bei Bedarf kontinuierlich überwachen zu können, was nicht immer in allen Positionen einwandfrei möglich ist. Manchmal sind auch Kompromisse notwendig. Unser Ziel ist es also, das Wohlbefinden von Mutter und Kind mit der peripartalen Sicherheit ideal zu verknüpfen.
Selbstverständlich stehen Ihnen aber von umfangreich verstellbaren Betten über mehrere Gebärhocker in unterschiedlichen Höhen, Pezzibällen und Matten bis zu einer Gebärbadewanne vielfältige Möglichkeiten offen, um die für Sie besten Positionen in den verschiedenen Phasen der Geburt zu finden.

6. Beschreiben Sie bitte, wie der Umgang mit Schmerzen gehandhabt wird.

Keine Geburt ohne Schmerz.

Wir sind jedenfalls bei Ihnen und begleiten Sie professionell und mit Engagement durch die herausfordernden Stunden der Geburt. Der Weg ist immer ein gemeinsamer!

Wehen und Geburtsschmerz können hinsichtlich Art und Intensität individuell sehr unterschiedlich sein. Das hängt auch von verschiedenen Einflussfaktoren ab (persönliches Schmerzempfinden, Schmerz-Biografie, Dauer der Geburt, Umfeld, Begleitpersonen, …). Nur die Betroffenen selbst können zusammen mit den begleitenden Hebammen, Ärztinnen und Ärzten über die passende Schmerzbewältigung entscheiden und urteilen.

Wenn medikamentöse Mittel zur Schmerzlinderung zum Einsatz kommen, wird in der Regel nach einem Stufenschema vorgegangen; Schmerzcharakter sowie Schmerzintensität werden dabei immer berücksichtigt und bestimmen die Wahl und Anwendungsform des Medikamentes.
Zuletzt steht Ihnen natürlich auch die Möglichkeit der Periduralanästhesie (PDA, „Kreuzstich“) offen. Ein innovatives Schmerzpumpen-System, mit dem Schmerzmittel einerseits kontinuierlich nach Schema und andererseits zusätzlich auch bei Bedarf verabreicht werden können, macht es Ihnen möglich, selbst mitzusteuern. Ein hocherfahrenes Team von Anästhesistinnen und Anästhesisten steht dafür rund um die Uhr für Sie zur Verfügung! Jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat (13.00 Uhr) sind Sie eingeladen und aufgefordert, sich zum Thema PDA umfassend zu informieren.

Kontinuierliche Begleitung durch unsere erfahrenen Hebammen, warme Bäder, Bewegung und Lagerung, Berührung und Massage sind zusätzliche Maßnahmen, die eine Schmerzerleichterung unter der Geburt bewirken.
Auch bieten wir ein breites Spektrum komplementärmedizinischer schmerzlindernder Verfahren an: Homöopathie, Akupunktur, Aromatherapie und auch hypnotische Ansätze fließen in unser Betreuungskonzept ein.
Gemeinsam treffen wir die Entscheidung, ob und welche Verfahren gerade in Ihrer individuellen Situation zur Anwendung kommen sollen.

7. Wie wird dem "Wohlfühlfaktor" während der Geburt Rechnung getragen?

Unser weitläufiges Parkgelände lädt in der frühen Phase der Geburt zu Spaziergängen ein. Hier lässt sich die Latenzphase sehr gut überbrücken, bis die Wehen dann so stark sind, dass sie in den Kreißsaal aufgenommen werden.

Eine ruhige und entspannte Atmosphäre in den Geburtszimmern ist uns ein großes Anliegen. Dafür sorgen wir mittels Duftölen und der Möglichkeit, mitgebrachte CDs abzuspielen. Weiters sind wir bemüht, die Anzahl der anwesenden Personen möglichst gering zu halten, um für die Gebärende eine ruhige Atmosphäre zu schaffen.

Als Lehrkrankenhaus der Medizinischen Universität Wien sowie der FH Campus Wien wollen wir auch den Studierenden die Geburtshilfe näherbringen, weshalb sich diese vereinzelt – unter Supervision – im Sinne der Hausphilosophie mit viel Engagement in ihre gute Betreuung einbringen. Der respektvolle und freundliche Umgang mit den Frauen und ihrer Intimsphäre ist für uns selbstverständlich und trägt ebenfalls zu einer angenehmen Umgebung bei, in der man sich vertrauensvoll wohlfühlen kann.

Auf den Stationen achten wir auf die strenge Einhaltung der Besuchszeiten, da uns die Erholung der Frauen und Neugeborenen nach den Anstrengungen der Geburt wichtig ist.

8. Wie steht Ihre Abteilung zur Anwendung von komplementärmedizinischen Methoden (Akupunktur, Homöopathie, Aromatherapie, ect.)?

In der Semmelweis-Frauenklinik, der „Sanften Klinik für die Frau“, sind wir bemüht, medikamentöse Schmerzmittelgaben zugunsten einer möglichst interventionsarmen Geburtshilfe zu vermeiden.

Deshalb nützen wir bei der Unterstützung der natürlichen Vorgänge während Schwangerschaft und Geburt auch gerne komplementärmedizinische Alternativen. Dazu gehören die geburtsvorbereitende Akupunktur gegen Ende der Schwangerschaft sowie die natürliche Förderung des Geburtsbeginns. Zudem arbeiten wir im Geburtsverlauf – sofern keine Kontraindikationen vorliegen – häufig aromatherapeutisch, homöopathisch, mittels Wärmekissen oder Entspannungsbädern, um die Frau in ihrer persönlichen Verarbeitung der Wehen zu unterstützen.
In bestimmten Fällen wendet unser speziell ausgebildetes Personal Hypnose an.

9. Wie wird an Ihrer Abteilung das Bonding (Beziehungsaufbau) nach Spontangeburt bzw. nach Kaiserschnitt unterstützt?

Die Eltern-Kind-Beziehung ist die erste intensive Bindung im jungen Menschenleben und damit auch ein Meilenstein für alle folgenden Beziehungen. Es ist uns Pflicht und Freude, Sie beim Aufbau dieser so wichtigen Beziehung zu unterstützen.

Um die Bindung zwischen Mutter, Vater und Kind gleich nach der Geburt zu stärken, legen wir großen Wert auf eben dieses „Bonding“: Unter Anleitung der Hebamme legen wir unmittelbar nach der Geburt das nackte Baby auf den Oberkörper der Mutter, bis es schließlich an der Brust zu trinken beginnt.

Das machen wir nach vaginaler Geburt genauso wie im Zuge eines geplanten Kaiserschnittes oder eines Kaiserschnittes, der sich im Laufe der Geburt ergibt. Der entscheidende Hautkontakt zwischen Mutter und Kind wird damit so früh wie möglich hergestellt; sofern es die medizinischen Umstände erlauben, auch während der Operation. Wir sind darum bemüht, während der gesamten Operation und auch in der Zeit danach diesen Haut-zu-Haut-Kontakt möglichst ungestört beizubehalten.

Neben dem Beziehungsaufbau bringt das Bonding aber auch viele andere medizinische Vorteile für Mutter und Kind mit sich − wir informieren Sie gerne!
Sollte das Bonding mit der Mutter nicht möglich sein, dann versuchen wir den Hautkontakt zwischen Vater und Kind im Kinderzimmer möglich zu machen.

Messen, Wiegen und Baden wird zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt, um diese erste wertvolle Stunde nicht zu stören. Das „Verlieben“ von Mutter, Vater und Kind in das Wunder der ersten Stunde. Es ist uns ein großes Anliegen Ihnen die dafür nötige Zeit zu geben.

10. Welche Unterstützung gibt es an Ihrer Abteilung für Frauen, denen es während oder nach der Geburt psychisch oder sozial nicht gut geht?

Die psychologische Fachberatung als Teil des Klinikangebots für schwangere Frauen und Frauen nach der Geburt ist in der Semmelweis Frauenklinik bereits seit ca. 30 Jahren etabliert. Klinische Psychologinnen und Psychologen mit psychotherapeutischer Zusatzausbildung stehen nicht nur den stationär aufgenommenen Patientinnen zur Verfügung, sondern betreuen die Frauen auch ambulant. Bei seelischen Belastungen in der Schwangerschaft oder nach der Geburt kann psychologische Unterstützung entlasten, stärken, Sicherheit und neue Orientierung geben. Das Angebot umfasst: Einzel- und Paargespräche, Krisenintervention, psychologische Beratung, Kurzpsychotherapie, Entspannungsmethoden und Trauerbegleitung. Für Frauen, die sich psychisch oder sozial in einer instabilen Situation befinden, erarbeiten wir − oft zusammen mit der Sozialarbeiterin − ein Unterstützungsnetz, welches in dieser sensiblen Lebensphase einen tragfähigen Boden bieten kann.

Schwangere und Wöchnerinnen mit psychiatrischen Diagnosen werden von uns möglichst während der gesamten Schwangerschaft interdisziplinär betreut. Wenn eine psychiatrische Konsultation mit der Frage nach einer geeigneten Einstellung von Psychopharmaka erforderlich ist, kooperieren wir seit vielen Jahren erfolgreich mit der Spezialambulanz für Perinatale Psychiatrie im Otto Wagner Spital. Im Falle einer postpartalen Depression bieten wir zusätzlich längere regelmäßige psychologische Behandlung an, oder überweisen an eine niedergelassene Psychotherapeutin bzw. Psychotherapeuten.

Auch bei unterschiedlichen anderen Themen wie z.B. der Betroffenheit von Gewalt sind wir mit einem Netzwerk von entsprechenden Institutionen und Beratungsstellen verbunden und fühlen uns dafür verantwortlich, entsprechendes Informationsmaterial in mehreren Sprachen in unserem Haus zugänglich zu machen und erste Ansprechpartner zu sein.

11. Wie steht Ihre Abteilung zur Inanspruchnahme von Rooming in?

Ein enger Kontakt zwischen Mutter und Kind wird in unserer Klinik sehr ernst genommen. Die Semmelweis-Frauenklinik hat bereits in den 1970er-Jahren als  erste Geburtenklinik das Rooming-In in Österreich eingeführt. Zu diesem Bekenntnis stehen wir natürlich bis heute.

Rooming-In bedeutet bei uns, dass Sie Ihr Baby rund um die Uhr bei sich im Zimmer haben und wir es nur in begründeten medizinischen Ausnahmefällen mit ins Kinderzimmer nehmen. So können die Mütter ihre Kinder von der ersten Stunde an gut kennen lernen und prompt auf ihre Bedürfnisse reagieren. Sie versorgen ihr Baby – mit unserer Unterstützung, so Sie das möchten – selbstständig und werden so optimal auf die Zeit zu Hause vorbereitet. Der intensive Kontakt zu ihrem Kind wirkt sich positiv auf die Stillbeziehung aus.

Rooming-In bedeutet bei uns auch, dass der Vater und Geschwisterkinder von Anfang an in die Betreuung des Babys einbezogen werden. Deshalb bieten wir den Vätern die Möglichkeit, die ganztägige „Väterbesuchszeit“ zu genießen oder auch in unserem Familienzimmer mit aufgenommen zu werden.

12. Welchen Zugang hat Ihre Abteilung zum Thema Stillen?

Stillen stimuliert die Sinne – alle 5!

Der Säugling riecht, schmeckt, hört, fühlt und sieht die Mutter und baut damit die so einzigartige innige Beziehung zu ihr auf. Es ist uns ein Anliegen, diese so wichtige erste Bindung zu fördern, deshalb bieten wir gerne in ganz unterschiedlichen Settings professionelle Unterstützung für das Stillen an.

Unsere Klinik ist ein zertifiziertes Baby-friendly Hospital. Darauf sind wir stolz!

Die Initiative zum Baby-friendly Hospital wurde gemeinsam von WHO und UNICEF ins Leben gerufen, um das Stillen und die Vorzüge der Muttermilch weltweit in 152 Ländern in den Fokus zu rücken. Baby-friendly Hospitals müssen strenge Auflagen erfüllen und erhalten diese Auszeichnung nur durch regelmäßige Zertifizierungen auf freiwilliger Basis. Voraussetzung ist das Engagement und die hohe Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Sache.

Ausschließliches Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten ist die perfekte Nahrung für Ihr Baby und der optimale Start in ein gesundes Leben. Daher führen wir mit Ihnen bereits in der Schwangerschaft individuelle Stillgespräche und halten regelmäßig Stillinformationsnachmittage ab; auch die Inhalte der Kreißsaalführung dienen der Vorbereitung auf die Stillzeit.

Nach der Geburt legen wir großen Wert auf ausreichend Zeit für ein erfolgreiches Bonding (Hautkontakt mit der Mutter bis zum ersten Trinken an der Brust). Im stationären Wochenbett werden Sie von unseren Krankenschwestern und -pflegern und zertifizierten Stillberaterinnen oder Stillberatern (IBCLC) professionell beraten und unterstützt. Kaum ein Problem, das nicht zuletzt doch im Sinne der Sache gelöst werden kann.

Sollte es nach Ihrer Entlassung Probleme beim Stillen geben, stehen Ihnen unsere Stillambulanz sowie zwei Stillgruppen zur Verfügung. Dort erhalten Sie nicht nur Hilfe aus Expertenhand, sondern auch die Möglichkeit zum Austausch mit anderen stillenden Frauen.

13. Inwieweit wird an Ihrer Abteilung auf kulturelle Wünsche/Anforderungen eingegangen?

Der Umgang mit Frauen aus anderen Kulturkreisen hat in der Semmelweis Frauenklinik lange Geschichte und die Betreuung von Migrantinnen, deren Herkunftsgebiete immer vielfältiger werden, ist ein alltäglicher Bestandteil unserer Arbeit. Es ist uns ein großes Anliegen, besonders Migrantinnen als eine sozial benachteiligte Gruppe wertschätzende und zum Gesundheitssystem wegebnende Bedingungen zu bieten. Da wir generell sehr individuell auf die Bedürfnisse unserer Patientinnen eingehen, schließt dies auch kulturell geprägte Bedürfnisse ein. Dies bedeutet u.a. den unterschiedlichen Umgang mit Geburt und Wochenbett, mit Schmerz und Scham, die unterschiedlichen Wertsysteme und Religionen zu respektieren und in der Betreuung mit zu berücksichtigen.

Beim Speiseangebot werden kulturell begründete Essgewohnheiten einbezogen. Auch sind wir bemüht, den unterschiedlichen Bedürfnissen der Angehörigen wenn möglich entgegengekommen.

Viele unserer Informationsbroschüren zu Geburt, Wochenbett, Stillen oder psychologischen Themen liegen mehrsprachig auf. Bei Sprachproblemen unterstützen mehrsprachige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterunseres Hauses die Verständigung.

Durch interne Fortbildungen sensibilisieren wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Themen der interkulturellen Kommunikation, sodass sowohl kulturelles Hintergrundwissen, als auch Offenheit für die Vielfalt von kulturellen Welten gefördert werden. Im psychologischen und sozialarbeiterischen Bereich kooperieren wir mit Beratungsstellen, die ein mehrsprachiges Angebot aufweisen. Auch auf die besondere Ausnahmesituation von geflüchteten schwangeren Frauen gehen wir ein.

14. Wie geht Ihre Abteilung mit dem Thema Fremdsprachlichkeit um?

Auch wenn wir Ihnen an unserer Abteilung keine professionelle Dolmetscherin oder einen professionellen Dolmetscher anbieten können, so sind wir doch darum bemüht, Ihnen alle notwendigen Informationen verständlich zu machen. Unsere mehrsprachlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können dabei immer wieder behilflich sein, jedoch funktioniert dies ohne ausreichende Sprachkenntnisse leider trotzdem manchmal nicht oder nur sehr eingeschränkt. Einige der hausinternen Informationsblätter bzw. Aufklärungsbögen stehen in verschiedenen Sprachen zur Verfügung, jedoch können Sie nicht automatisch davon ausgehen, dass Ihre Sprache dabei vertreten ist.

In der Schwangerschaft sind Sie aufgefordert, immer wieder unsere Schwangerenambulanz aufzusuchen. Bei diesen Terminen finden nicht nur Untersuchungen statt, sondern Sie erhalten auch viel an Information im persönlichen Gespräch. Diese Informationen sind für die Schwangerschaft, die Geburt und auch für die Zeit nach der Geburt wichtig. Bringen Sie deshalb bitte zu allen Terminen eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher mit und bedenken Sie dabei, dass es teilweise sehr intime Untersuchungen bzw. sehr persönliche Gespräche sind, bei denen die Sie begleitende Dolmetscherin oder der Dolmetscher anwesend sein sollte. Wählen sie daher Ihre Dolmetscherin oder Ihren Dolmetscher auch nach diesem Gesichtspunkt wenn möglich sehr behutsam aus.

Dies gilt natürlich im Besonderen für die Geburt.
Beachten Sie dabei bitte auch, dass nur eine Begleitperson bei der Geburt vorgesehen ist. Sollte es eine Ihnen nicht sehr vertraute dolmetschende Person sein, so kann sie ausnahmsweise auch zusätzlich zu beispielsweise Ihrer nicht deutschsprachigen Begleitperson im Entbindungszimmer anwesend sein. Organisieren Sie also bereits früh in der Schwangerschaft, wer Sie dolmetschend zur Geburt begleiten kann. Vergessen Sie dabei bitte nicht, dass die Geburt ein sehr intimes Ereignis und auch zeitlich nicht planbar ist und die Dolmetscherin bzw. der Dolmetscher in Bereitschaft zur Verfügung stehen muss. Im Idealfall sollte es sich um eine Frau handeln, die Sie in der Funktion einer Übersetzerin begleitet.

15. Wie steht Ihre Abteilung zur ambulanten Geburt bzw. zur frühen ("vorzeitigen") Entlassung?

Auch wenn vor der Geburt „die Zeit nach der Geburt“ für viele Frauen sehr oft noch „so weit weg“ erscheint, so ist das Wochenbett doch eine ganz wichtige Zeit, die zur Geburt genauso gehört wie die Schwangerschaft.

Auch hier ist Sicherheit für Mutter und Kind unser oberstes Gebot. Jenseits der medizinischen Rahmenbedingungen sind wir für Ihre individuellen Wünsche ganz offen.

Routinemäßig finden Entlassungen an unserer Abteilung nach vaginaler Geburt am 3. Tag und nach Kaiserschnitt am 4. Tag nach der Geburt statt.

Sofern aus mütterlicher und kindlicher Sicht eine „vorzeitige Entlassung“ oder eine sog. „ambulante Geburt“ medizinisch vertretbar ist, steht dieser auch gar nichts entgegen.
Bedenken Sie dabei nur bitte, dass das Wochenbett eine Zeit ist, die viel Neues, viel Umstellung und mitunter auch „Stolpersteine“ (Stillen, Babyblues, …) mit sich bringt. Dabei unterstützen wir Sie gerne mit Kompetenz und Erfahrung während Ihres stationären Aufenthaltes bei uns an der Abteilung.

Wenn Sie jedoch die ersten Tage nach der Geburt lieber in Ihrem vertrauten Zuhause verbringen möchten, dann organisieren Sie bitte bereits rechtzeitig in der Schwangerschaft eine Hebamme, die Sie im Wochenbett daheim betreuen kann. In einem solchen Fall ist die erste kinderärztliche Mutter-Kind-Pass-Untersuchung auch bei Ihrer Kinderärtzin oder Ihrem Kinderarzt ambulant durchzuführen. Wir unterstützen Ihr Vorhaben gerne mit Information, wie Sie die Zeit nach der Geburt am besten gestalten bzw. organisieren können.